31. Juli 2026
Es gibt zwei Arten, mit KI Software zu bauen
Ein Vortrag an der RWTH Aachen hat bestätigt, wie wir längst arbeiten. Beide Wege haben ihren Platz, und meistens merkt man erst hinterher, welcher gerade dran gewesen wäre.

Vor Kurzem saß Martin bei einem Vortrag an der RWTH Aachen. Es ging darum, wie KI die Softwareentwicklung gerade umkrempelt, und irgendwann kam die Stelle, an der wir uns wiedererkannt haben.
Der Referent stellte zwei Arbeitsweisen nebeneinander, mit denen heute Software entsteht. Beide funktionieren. Sie sind nur für ganz unterschiedliche Dinge gemacht. Für die aufwendigere von beiden gibt es inzwischen sogar einen Namen: Agentic Engineering.
Für uns war das weniger eine Neuigkeit als eine Bestätigung. Wir arbeiten seit einer ganzen Weile so. Wir hatten nur kein Wort dafür.
Zwei Wege, und beide sind in Ordnung
Der eine Weg steht inzwischen jedem offen. Man sagt der KI, was sie bauen soll, schaut, ob es läuft, und nimmt, was herauskommt. Programmieren muss man dafür nicht können. Für Versuche, für Vorführungen und für alles, was man am Ende sowieso wegwirft, ist das eine feine Sache. Wir machen das selbst so, wenn wir schnell wissen wollen, ob eine Idee überhaupt etwas taugt.
Der andere Weg fängt eine Stufe früher an. Da geht es nicht darum, dass etwas läuft, sondern dass man sich darauf verlassen kann. Die KI bekommt keine Zurufe, sondern Vorgaben. Was sie liefert, wird geprüft und nicht geglaubt. Und es gibt einen festen Ablauf, aus dem niemand ausschert, auch nicht, wenn es gerade eilig ist.
Das ist der Weg für Software, mit der ein Betrieb wirklich arbeitet. Für Daten, die niemanden etwas angehen. Für Kunden, die dafür bezahlen.
Wo genau die Grenze zwischen beiden liegt, merkt man meistens erst hinterher. Sie liegt da, wo sich zum ersten Mal jemand darauf verlässt.
Wir haben aufgeschrieben, was wir wissen
Die KI, mit der wir arbeiten, kann sich jeder abonnieren. Sie ist also nicht das, was uns unterscheidet. Der Unterschied ist, was sie von uns mitbekommt.
In fünfundzwanzig Jahren sammelt sich eine Menge Wissen an, das nirgendwo steht. Welche Abkürzung sich später rächt. An welcher Stelle man einer Eingabe grundsätzlich nicht traut. Wie man etwas aufbaut, damit man es in drei Jahren noch anfassen kann, ohne dass daneben etwas anderes kaputtgeht. Früher steckte das in unseren Köpfen, und weitergegeben wurde es, wenn es zufällig passte.
Heute steht es geschrieben. Ein Regelwerk, das im Projekt liegt und das die KI bei jedem Schritt liest. Abweichen darf sie nicht.
Kleiner wird es nie. Was wir dazulernen, kommt hinein, und ab dem nächsten Tag steckt es in allem, was wir bauen. Ein Mensch könnte sich das gar nicht alles gleichzeitig merken. Die Maschine vergisst nichts davon.
Bei uns passiert nichts einfach so
Bevor eine Zeile Code entsteht, wird geplant. Jede Aufgabe wird beschrieben, bekommt eine feste Nummer und einen Platz auf einer Liste, auf der jederzeit steht, was offen ist und was erledigt. Das klingt nach Verwaltung. Es ist aber der Grund, warum bei uns nichts liegen bleibt und warum niemand raten muss, wo ein Projekt gerade steht.
Gebaut wird dann in kleinen Schritten, und nach jedem läuft eine automatische Prüfung. Findet sie etwas, geht es nicht weiter, egal wie harmlos die Sache aussieht. Dazu kommt unser eigener Blick, denn manches erkennt keine Prüfung, sondern nur jemand, der diese Art Fehler schon einmal erlebt hat.
Den letzten Schritt macht immer ein Mensch. Die Maschine schlägt vor, wir geben frei. Das ist keine Förmlichkeit, sondern der Grund, warum am Ende überhaupt jemand für das Ergebnis geradestehen kann. Eine Maschine kann das nicht.
Warum wir so viel dokumentieren
Zu jedem Schritt halten wir fest, warum er so gemacht wurde. Nicht nur, was gebaut wurde, sondern auch, was wir verworfen haben und weshalb, und wann man es später anders machen sollte.
Das klingt nach Papierkram, und ehrlich gesagt hätten wir früher selbst so darüber gedacht. Inzwischen ist es unser wichtigstes Werkzeug, aus zwei Gründen.
Der erste hat mit der KI zu tun. Sie liest diese Aufzeichnungen mit. Sie fängt also nicht bei jeder Aufgabe wieder bei null an, sondern kennt die Vorgeschichte: was hier schon versucht wurde, warum etwas so aussieht, wie es aussieht, wo die Fallstricke liegen. Je besser wir dokumentieren, desto besser wird das, was dabei herauskommt. Die Dokumentation ist bei uns kein Anhängsel an die Arbeit. Sie ist das Gedächtnis.
Der zweite Grund gehört euch. Diese Aufzeichnungen machen euch von uns unabhängig. Ihr bekommt am Ende nicht nur eine Software, sondern eine, an der auch jemand anderes weiterarbeiten könnte. Software, die nur derjenige versteht, der sie gebaut hat, ist kein Besitz, sondern eine Abhängigkeit. Uns ist lieber, ihr bleibt, weil ihr wollt.
Was ihr davon habt
Von außen sieht man einer Software nicht an, auf welchem Weg sie entstanden ist. Am ersten Tag sehen beide gleich aus. Das ist das Ärgerliche daran.
Der Unterschied kommt später. Wenn die Datenmenge wächst und plötzlich alles zäh wird. Wenn jemand etwas eingibt, womit keiner gerechnet hat. Wenn Zahlen auf einem Bildschirm stehen, die dort nicht jeder sehen dürfte. Oder wenn ihr nach zwei Jahren eine Kleinigkeit ändern wollt und niemand mehr weiß, warum das Ding so gebaut ist, wie es gebaut ist.
Sorgfalt am Anfang kostet Zeit, das ist kein Geheimnis. Dafür spart sie die Krisen danach. Nach fünfundzwanzig Jahren in diesem Beruf können wir sagen: Der Tausch lohnt sich fast immer.
Und wenn du gerade selbst mit KI etwas zusammenbaust, um herauszufinden, was du eigentlich brauchst, dann mach ruhig weiter. Du wirst danach viel genauer sagen können, was du willst, und das ist mehr wert als jedes Konzeptpapier. Wenn daraus etwas wird, auf das sich dein Betrieb verlässt, dann melde dich.
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